Interview der Woche: Ex-JFG-Trainer mit Heimatbesuch

Coach Daschner junior auf der Karriereleiter – beim Zweitligisten Ingolstadt im Nachwuchsbereich beschäftigt

Michelfeld/Auerbach/Nürnberg/Ingolstadt (obl)
Fußball ist mehr als nur 1:0. Gerade bei den Junioren sollte in gewissen Altersstufen nicht nur der reine Leistungsgedanke mit Ergebnisse im Vordergrund stehen. Die fußballerische und persönliche Entwicklung steht auch beim aus Auerbach stammenden Trainer Kim Daschner (24), der nun den nächsten Sprung geschafft hat, hoch im Kurs.

Seit sieben Jahren ist er nun schon Fußball-Coach und freute sich vor kurzem über den Aufstieg der Ersten Herren-Mannschaft des FC Ingolstadt (quasi sein Arbeitgeber) via Relegation gegen den VfL Osnabrück in Zweite Bundesliga. Denn bei den Oberbayern ist der Nord-Oberpfälzer im Trainerstab der C-Junioren hauptberuflich aktiv. In dieser Altersstufe des FCI fungiert Fabian Reichler als Chef-Trainer. Vier Mal in der Woche sind Trainingseinheiten angesetzt.

Der Vereinsberichterstatter des ASV Michelfeld und der SG Auerbach Ralph Strobl, der mit Kim Daschner schon zu seiner Zeit bei der JFG Auerbacher Land (2014 bis 2016) zu tun hatte, befragte den jungen Vollblut-Trainer am Donnerstag – Vier persönliche Fragen respektvoll in der Sie-Form, vier Antworten.

Am gleichen Tag unterstützte er seinen Halb-Bruder Kevin Hudert (Coach der D2-Junioren der SG Auerbach) von 17.30 bis 19 Uhr beim Mannschaftstraining in Michelfeld.

Hallo Herr Daschner. Sie sind seit Sommer 2020 im Fußball-Nachwuchsleistungszentrum des FC Ingolstadt und dort im Trainerstab der U15 (Regionalliga Bayern) tätig. Was sind dort ihre konkreten Aufgaben und bleibt Du auch zur kommenden Saison 2021/22 bei den „Schanzern“?
Kim Daschner: Meine Aufgaben sind dort die alltäglichen Aufgaben im Trainingsalltag. Von Trainingsvorbereitung bis Trainingsnachbereitung bis hin zu Spielerbewertungen sind hier eigentlich alles Aufgaben die man im NLZ bewerkstelligen und auch können muss. Des Weiteren sind de Aufgaben natürlich auch vor allem im Bereich des Individualtrainings. Nur hier bekommst du Spieler einfach besser und meistens auch noch hier an die Grenzen. Eindrücke aus dem Mannschaftstrainings und auch mannschaftstaktischen Training sind zwar gut, hier erkennt man aber meistens noch nicht zu 100% die Schwächen der meisten Spieler. Somit nehmen wir uns extrem viel Zeit für die individuelle Förderung der Spieler. Wir arbeiten zwar leistungsspezifisch, jedoch arbeiten wir nicht immer ergebnisorientiert. Vor allem in den unteren Altersklassen achten wir deutlich mehr auf die Entwicklung als auf den Tabellenplatz am Ende der Saison. Klar, du willst als Spieler und als Trainer gewinnen, aber vor allem als Spieler willst du es auch im nächsten Jahr immer in den nächsten Jahrgang schaffen und daran müssen wir uns als Trainer auch messen lassen, die Spieler dahin zu führen.

Als Auerbacher haben Sie bereits in jungen Jahren die C-Junioren (2014/15) und B-Junioren (15/16) der damaligen JFG Auerbacher Land fleißig und erfolgreich trainiert. Danach folgten die Stationen SK Lauf, JFG Wendelstein, TV 48 Erlangen und SV Altensittenbach. Wo wohnen und arbeiten Sie inzwischen, so dass Sie den Zeitaufwand für den Fußball (unter anderem Fahrtstrecken) gut managen können? Private Freizeit gibt es sicherlich auch noch etwas …
Kim Daschner: Derzeit lebe ich in Nürnberg, das ist eigentlich eine gute Mitte zwischen Arbeit und Familie und Freunde. Allzu viel Freizeit gibt es tatsächlich eher nicht, vor allem wenn wirklich die Vorbereitungsphase beginnt und du eigentlich ständig auf dem Fußballplatz stehst. Es ist ja nicht immer nur das Training, sondern auch noch viel drum herum, was man von Außen meistens gar nicht so erkennt. Wie schon erwähnt, die Vor- und Nachbereitung eines Trainings ist extremst wichtig, man braucht ja einen gewissen Wochenplan. Was willst du Woche für Woche trainieren, wo legst du die Schwerpunkte und danach richtet sich auch das Training und auch danach musst du das Training und die Einheiten, auch individuell, gestalten.

Ihr Vater Thomas spielte in der Landesliga Mitte für den damaligen ASV Auerbach und war jahrelang Trainer (unter anderem FC Troschenreuth, SC Auerbach, SV Grafenwöhr, ASV Pegnitz) und Sie sind mit dem D2-Junioren-Trainer der SG Auerbach Kevin Hudert verwandt, oder? Das Fußball-Gen liegt in der Familie …
Kim Daschner: Ja klar. Wahrscheinlich wäre ich nicht so fußballverrückt geworden, wenn es meine ganze Familie nicht gewesen wäre, außer meine Mutter, was ich bis heute noch nicht verstehe. Vielleicht hätte ich dann einen ganz anderen Weg eingeschlagen, vielleicht wäre ich durch meine Großeltern auch beim Handball gelandet. Aber natürlich hat mich der Weg, vor allem von meinem Vater, sehr geprägt. Der Fußball zieht und verbindet Menschen schon sehr. Das hat mir einfach schon immer gefallen. Bemerkt habe ich aber schnell, dass ich die fußballerischen Fähigkeiten, die mein Vater und mein Halb-Bruder (gleiche Mutter, Anm. d. Red.) besaßen, nicht wirklich habe und bin dann schon in sehr jungen Jahren eher in die Trainerschiene gekommen. Es macht einfach Spaß, Entwicklungen der Spieler zu sehen. Dann siehst du, dass du als Trainer vielleicht nicht immer alles falsch gemacht hast.

Kim Daschner (2015). Foto: Ralph Strobl.

Vor einigen Jahren haben Sie in einem Interview bei der Frage nach einem Trainer-Vorbild die Art von Markus Weinzierl erwähnt. Ein Vergleich mit dem neuen Trainer des FC Bayern München Julian Nagelsmann (33, zunächst U17- und U19-Coach, mit 28 Jahren Trainer der TSG Hoffenheim) kommst sicherlich zu früh. Aber welche Ziele haben Sie als 24-Jähriger für die neue Spielzeit mit ihren „Jungs“ in Ingolstadt und darüber hinaus?
Kim Daschner: Auch hier hat sich die Einstellung bei mir natürlich etwas geändert. Vor ein paar Jahren war noch die ältere Generation auf den Trainerbänken in der Bundesliga oder auch in den höheren Amateurligen. Ich finde es gut, dass sich Vereine mittlerweile trauen, junge Trainer die Chance zu geben, sich zu beweisen. Das Alter spielt meiner Meinung nach sowieso eher eine sehr untergeordnete Rolle. Ich denke, wenn Du als Trainer den Fußball gut vermitteln kannst, dann ziehen die Spieler auch mit. Jetzt ist es natürlich so, dass man den Werdegang der jungen Trainer auch ein bisschen verfolgt und sich vielleicht auch ein bisschen prägen lässt. Aber ich finde es trotzdem wichtig, dass man eher seinen eigenen Stil als Trainer und seinen eigenen Weg als Mensch geht und nicht irgendetwas kopiert. Deswegen lass ich die Zukunft einfach auch Zukunft sein und beschäftige mich da eher wenig damit. Der Fokus liegt natürlich ganz klar auch nächstes Jahr wieder darin, unseren Jungs etwas mitzugeben, was ihnen für die Zukunft hilft, besser zu werden. Auch Spieler haben Ziele und Träume. Die sollen sie leben und wir als Trainer versuchen, dass die Ziele und Träume der Jungs immer ein wenig näher kommen.

Vielen Dank für das Interview.


Info-Box:
SG Auerbach (Fußball, Junioren, männlich)
Sportlicher Leiter: Bernhard Schubert. Jugendleiterin Großfeld: Kathrin Gsell. Jugendleiterin Kleinfeld: Janina Hudert. Anzahl Mannschaften: Acht (A-, B1-, B2-, D1-, D2-, E-, F- und G-Junioren). Anzahl Trainer und Betreuer: 31. Anzahl Spieler: Über 100. Stammvereine: SV 08 Auerbach (federführend), ASV Michelfeld.

obl.

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